Brauerei Stein, Alzenau

NAG Brauerei LKW 1928
Ansicht der Brauerei und der Gaststätte um 1930
Das Sudhaus im Jahre 1954
Ihre Ursprünge reichen in das Ende des 18. Jahrhunderts zurück. 1798 wendet sich der Küfer Johann Trageser an die Kurfürstlich Hohe Landesregierung mit der Bitte ihm die Schildgerechtigkeit samt Braurecht für sein Anwesen, "zwischen Heinrich Ritter und der Kahl" gelegen, zu erteilen. Wörtlich heißt es in seinem Antrag:

"Ich bin meiner Profession ein Bender; auf dieß aber und meinen wenigen Feldbau bin ich nicht im Stande, mich und meine zahlreiche Familie zu ernähren; besonders, wo wegen der Nähe der Stadt Aschaffenburg, auch bei den besten Weinjahren, die Freigerichtler ihre nötige neue Fässer in Aschaffenburg kaufen oder daselbst verfertigen lassen; mithin habe ich als Bender das ganze Jahr durch wenig - fast gar keine Nahrung; und nur hie und da den unbedeutenden geringen Verdienst von Reparatur alter Fässer."

Er hat das Braurecht erhalten. Damit war diese Brauerei um 1800 erst die zweite - neben Hörstein - im bayerischen Teil des Freigerichts.

Johann Tragesers Sohn Peter übernahm 1819 die Brauerei, die er 1835 an Valentin Funk verkaufte. Dieser erweiterte das Anwesen, hatte aber vermutlich keinen großen Erfolg, denn Ende der 70er Jahre ging er in Konkurs. Aus der Konkursmasse des heruntergewirtschafteten Betriebs erwarb sie 1879 der Lehrersohn Emil Stein (1845-1926) für 24.500 Mark. Anfangs braute er nur für die eigene Wirtschaft, doch bald belieferte er auch andere Gaststätten. Die einzige Tochter, Wilhelmine, heiratete 1905 den Apotheker August Zieglwalner, der zum Bierbrauer umschulte und den Betrieb recht erfolgreich weiterführte. Bereits 1906 erweiterte und modernisierte er die veralteten Anlagen. 1912 übernahm er die Geschäftsführung und das Eigentum der Brauerei. Die um 1830 entstandene zweite Alzenauer Brauerei und Gastwirtschaft Hock wurde 1923 übernommen. August Ziegl-walner verunglückte am 4. 2. 1925 auf tragische Weise. Ein Vetter von Frau Zieglwalner, Dr. Eugen Kerber, führte nun die Geschäfte weiter. Die allgemeine wirtschaftliche Depression Anfang der 30er Jahre machte natürlich auch vor der Brauerei Stein nicht halt. Nur mühsam konnte die Talfahrt bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs wieder wettgemacht werden. Nach dem Krieg, mit Beginn des Wirtschaftswunders, setzte ein Aufschwung ein, der in der Brauerei zahlreiche Investitionen auslöste: Würzekühlanlage, Erweiterung der Lagerkeller und des Gärkellers. Dem Anstieg des Flaschenbieranteils trug man Rechnung durch die Installation einer modernen Flaschenfüllerei mit einer Stundenleistung von 10000 Flaschen. Dr. Kerber war in der Zwischenzeit alleiniger Geschäftsführer.

Die in den 60er Jahren einsetzende Sättigung des Biermarktes machte sich immer stärker bemerkbar. Die Großbrauereien im Raum Aschaffenburg - Frankfurt setzten der einzigen im Kahlgrund verbliebenen Privatbrauerei immer mehr zu und so wurde sie im Januar 1973 stillgelegt. Die Kundschaft übernahm die Binding-Brauerei. Die Brauereigebäude wurden 1978 und 1992 abgerissen.

Heute erinnert nichts mehr an die einst blühende Brauerei Stein. Abgesehen von einer Gasthofbrauerei gibt es heute im Kahlgrund keine Brauerei mehr.

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