Kalt-Loch-Bräu, Miltenberg

Die Chronik der Stadt Miltenberg meldet vom "Kalten Loch", es sei ein Bierhaus, älter als alle andern, und so bekannt, weil seine tiefen Keller von jeher einen "Labetrank geborgen" hätten, der seiner Kühle wegen von allen Durstigen landauf, landab gepriesen worden sei. Ein Kellereingang in der Brauerei trägt die Jahreszahl 1580. Zumindest dieses Datum dürfte den Beginn der "Kaltloch-Brauerei" markieren. Andere Quellen nennen die Jahreszahl 1540, zu welcher Zeit im damaligen Haus Nr. 387 - identisch mit dem heutigen Standort der Brauerei - eine erste Bierbrauerei erwähnt wird.

Der erste nachweisbare Besitzer der Brauerei war ein Sebastian Birsch, der die Witwe Magdalena Schmid von Röllbach heiratete, die aber bereits 1606 verstarb. Sie hatten schon das "Brewhaus beim Pfarrhof" neben der Münzergasse im Besitz. Deren Sohn Sebastian Birsch, geboren 1606, starb 1654. Seine Witwe ehelichte den Leinenwarenkrämer Urban Schöffen, der in Miltenberg bereits ansehnlichen Besitz hatte. 1661 übergab Urban Schöffen seinem Stiefsohn Leonhard Birsch eine "Behausung ober dem Zollthor", sowie das "Brewhaus am Münzerbrunn". Leonhard Birschs Tochter Catharina heiratete 1682 Sebastian Englert aus Bürgstadt. Ein Friedrich Englert, Ratsherr und Bierbrauer, besaß einen Drittel-Anteil an dem Bräuhaus am Pfarrhof und "gemeiner Gassen". Vermutlich dessen Sohn Anton Englert ist 1729 Inhaber eines "Bräuwerk", das er von seinem Vater erhielt.

1774 übergeben Anton Englerts Erben, wahrscheinlich der Stiefsohn Mathes Hofmann, die Brauerei an Joseph Hock. Die Hocks waren über drei Generationen Besitzer der "Kaltloch-Brauerei". Joseph Hocks Witwe war in zweiter Ehe mit dem Bamberger Bierbrauer Michael Burkard verheiratet, dessen Bruder Paul 1804 in Amorbach die "Burkarthbräu" gründete.

Seit 1809 ist Valentin Hock Eigentümer der "Kaltloch- Brauerei". Er starb 1843. Nachfolger war sein 1810 geborener Sohn Michael Joseph, der drei Mal verheiratet war. Dieser wirtschaftete anscheinend nicht gut, denn das gesamte Anwesen sollte am 1. Oktober 1851 versteigert werden. Es kam zwar nicht dazu, aber es wurde von dem Kurator, dem Schreinermeister Wolpert, freihändig verkauft. In einer Bekanntmachung des Königlichen Landgerichts vom 8. 11. 1851 hieß es: "Der Bierbrauer Michael Hock von hier hat seine fahrende Habe, wie auch Immobilien, insbesondere einen großen Ofen, einen Waschkessel und eine Standuhr, welche wandfest war, zum Nachtheile seiner Gläubiger veräußert und ist mit dem Erlös nach Amerika flüchtig gegangen. Dies wird zur Wiedererlangung der vorerwähnten Gegenstände, deren dermalige Besitzer bisher nicht ermittelt werden konnten, veröffentlicht. Miltenberg, am 31. Oktober 1851. Königliches Landgericht, Zwanziger, Landrichter."

Erworben hat die Grundstücke vermutlich Martin Altmann. Ihm folgten kurz hintereinander als Besitzer Innozenz Goldschmitt und der Revierförster Matt. Unter diesen Besitzern dürfte der Betrieb teilweise auch verpachtet gewesen sein.

1869 erwarb ihn dann der Bierbrauer Valentin Scholz aus Schmachtenberg. Der starb aber bereits im September 1870. Seine Witwe verkaufte daraufhin die gesamten Liegenschaften, bestehend aus Wohnhaus, Bräuhaus, Stallungen, Holzhalle, Keller und Hofraum, sowie die Bierbraugerechtigkeit 1871 an den Bierbrauer Fridolin Busch für 4.350 Gulden. Busch stammte aus der Brauerei und Gastwirtschaft Bretze in Großheubach. Aus seiner zweiten Ehe kam die Tochter Margarete, die den Bierbrauer Alois Schohe aus Kleinostheim heiratete, dessen Familie seit 1700 dort ansässig war. Die Schohes sind ein altes Geschlecht, deren Stamm sich bis 1620 zurückverfolgen lässt ins Dörfchen St. Jakob am Arlberg.

Alois Schohe und Gretchen Busch heirateten 1898. In der Folge übernahm der älteste Sohn Friedrich die Brauerei, die er 1974 seinem Sohn Hermann übergab. Ab 1995 waren Axel Schohe, dessen Frau Elvira Schuckert und sein Bruder Markus Schohe im Besitz der Brauerei.

Sehr interessant ist auch die baugeschichtliche Seite des Brauereigebäudekomplexes . Ursprünglich gehörte ein Teil der heutigen Gebäude, das sogen. "Klepperhaus" und die anschließende Synagoge, der jüdischen Gemeinde. Die Synagoge, die um 1280 entstanden ist, wird als die älteste noch im aufgehenden Mauerwerk erhaltene Synagoge Deutschlands bezeichnet. Nachdem Erzbischof Konrad III. von Mainz alle des Wuchers verdächtigen Juden ins Gefängnis werfen ließ und ihr Vermögen einzog, schenkte der nachfolgende Kurfürst Dieter am 13. Mai 1441 Synagoge samt Klepperhaus dem jeweiligen Altaristen der nahe gelegenen Marienkapelle. Erst im Jahre 1754 konnte die wiedererstarkte jüdische Gemeinde das Klepperhaus und die Synagoge von dem zwischenzeitlichen Besitzer Franz Josef König zurückkaufen. Das Klepperhaus kostete 310 Gulden. Es blieb im Besitz der jüdischen Gemeinde, bis es im Jahre 1871 der Bierbrauer Fridolin Busch erwerben konnte und für Brauereizwecke einrichtete. Busch kaufte, um seinen Betrieb erweitern zu können, auch das nebenliegende Haus des Kornelius Schnatz und baute es für seine Zwecke um. Auch die anderen Gebäudeteile wurden mehrfach umgebaut und der Betrieb fortlaufend modernisiert. So wurden auch 1902 größere bauliche Veränderungen vorgenommen.

Ebenfalls 1902 verkaufte das Miltenberger Franziskanerkloster an Alois Schohe für 2.400 Mark den Keller "...unter dem Hinterbau bei Plan Nr. 367 mit dem Durchfahrtsrechte durch den Hofraum des Wohnhauses Nummer 413 Plan Nummer 367, nebst rechtlichen Zu- und Eingehörungen". Schohe hatte diesen Kaufpreis innerhalb der nächsten fünf Jahre in drei Raten, deren Höhe und Verfallzeit in seinem Belieben stand, ohne Zulagen von Zinsen abzutragen. Der Keller liegt unmittelbar neben der Löwenbrauerei, die ihn 1934 auf dem Tauschwege erwarb.

Der Erste wie der Zweite Weltkrieg brachten natürlich, wie bei allen anderen Brauereien, auch der Kaltloch-Brauerei bedeutende Einschnitte. Bekanntlich wurde bereits 1915 die Malzzuteilung gekürzt. Betrug das maßgebliche Malzkontingent 1913 801,25 dz., so verringerte es sich bis 1917 auf 240,45 dz. Die Gärkellerkapazität belief sich damals auf 18o hl, bestehend aus einem Bottich à 50 hl und sechs Bottichen à 22 hl. Im Lagerkeller hatte man in 32 Fässern ca. 700 hl Fassungsvermögen. Im Sudhaus lag die Ausschlagmenge bei 45 hl pro Sud. 1917 wurden 65 Sude hergestellt. Ein Dampfkessel von 10 atü sorgte für den Antrieb.

In den Kriegszeiten wurde vorübergehend auch Apfelwein hergestellt. Zu dessen Produktion diente eine gewöhnliche und eine hydraulische Presse. Auch im Zweiten Weltkrieg konnte man zum Ende nur noch Dünnbier in einer ganz geringen Konzentration erzeugen.

1936 erhielt die Brauereigaststätte ihre jetzige geschmackvolle Gestalt.

Im März 2010 Schloss die Brauerei ihre Tore, die Markenrechte übernahm die Brauerei Eder aus Großostheim.

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