Odenwaldbräu Etzel, Amorbach

Der junge Küfer Georg Anton Oetzel (1742 - 1808) lässt sich 1775 in Amorbach nieder. Er stammte aus dem badischen Reicholzheim an der Tauber. Bald erwirbt er sich bei der Bevölkerung ein hohes Ansehen und wird 1803, nach Aufhebung des Klosters, als Hofküfer in den Dienst des Fürsten zu Leiningen übernommen. In dieser Stellung avanciert er sogar zum Stadthauptmann.

Mit seinem Sohn Georg Franz Oetzel beginnt eigentlich die Geschichte der Brauerei. Er erlernt das Brauerhandwerk bei Friedrich Michel in Amorbach und übt seinen Beruf anschließend unter Johann Becker aus. Dieser Johann Becker kam 1789 als Müller ins Städtchen, wird aber bereits 1796 als Bierbrauer genannt. Drei Jahre später schon erhielt er für sich das Braufeuerrecht.

Mit Urkunde vom 3. Juli 1799 erhielt auch Georg Franz Oetzel die Braurechtskonzession. Vermutlich handelte es sich um eine Braustätte zusammen mit Friedrich Michel und Johann Becker. Im September 1802 erwirbt Oetzel die Braugerechtsame alleine auf seinen Namen. Seine Partner sind durch Tod bzw. durch Rückkehr in den alten Beruf ausgeschieden. Schon 1804 wird das Haus Nr. 70 in der Löhrstraße als Sitz der Brauerei, einer Branntweinbrennerei und einer kleinen Gastwirtschaft erwähnt. Nach seinem Tod 1832 führt die Witwe Rosalie die Brauerei weiter. In der Zwischenzeit hat sich die Schreibweise des Familiennamens "Ötzel" in "Etzel" geändert und wird künftig in dieser Form beibehalten.

1844 übergab die Mutter an ihren erstgeborenen Sohn Georg Michael Etzel (1810 - 1892) den Felsenkeller am Mühlrain mit Gerätschaften und Materialien für Küferei und Bierbrauerei. Mit Urkunde vom 5. September 1844 verlieh ihm die königliche Regierung von Unterfranken die Braurechtskonzession. Auch das Küfergewerbe durfte er lt. Stadtratsbeschluss vom September 1846 ausüben. Zwei andere Bewerber hingegen wurden zur gleichen Zeit zurückgewiesen.

Zwischen 1845 und 1875 erweiterte Etzel seinen Besitz durch Zukäufe bis zur beinahe endgültigen Größe. Die Braustätte konnte somit an den Wolkmannsberg verlegt werden.

Noch zu Lebzeiten überschrieb Michael Etzel 1877 Brauerei und alle Liegenschaften an seinen Sohn Karl Joseph (1846 - 1915). In der Folge wird der Betrieb ausgedehnt, erstmals werden auch andere Gastwirtschaften in der näheren Umgebung als Kunden gewonnen. Nach Unterlagen über die lokale Malz- und Biersteuer "exportierte" Etzel 1880 immerhin schon 600 hl aus Amorbach.

Nach dem Tod von Karl Joseph Etzel führte der älteste Sohn August Alfred (1881 - 1954), der ebenfalls das Brauerhandwerk erlernte, den Betrieb weiter. Dem technischen Fortschritt trug man Rechnung und investierte viel in die Brauerei. 1917 hatte der Lagerkeller ein Fassungsvermögen von 500 hl, der Gärkeller von 280 hl.

Einen großen Aufschwung erlebte man durch die Stilllegung der Fürstlich Leiningischen Brauerei in Ernstthal. Hier konnten viele Wirte als Kunden gewonnen werden. Höhepunkt der technischen Modernisierung war zweifellos der Bau eines neuen Sudhauses in den Jahren 1936 bis 1938. August Etzel hat auch gut die Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegsjahre gemeistert. Den enormen Aufschwung in den 50er und vor allem in den 60er Jahren erlebte er nicht mehr. Der Sohn August Etzel (1920-1966) führte zusammen mit seiner tüchtigen Frau Elisabeth die Brauerei weiter. Sie leitete nach dem frühen Ableben ihres Mannes die Geschicke bis zu ihrem Tod 1978. Nachfolger war der Alleinerbe Robert Etzel. Er verkaufte den Betrieb 1992 an den Münchner Kaufmann Ulrich Backeshoff, von welchem das Brauhaus Faust in Miltenberg 1994 die Kunden übernahm. Der Betrieb wurde daraufhin stillgelegt.

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