Brauerei Burkarth, Amorbach

1803 kommt Paulus Burkarth, geboren 1774 in Bamberg, als Bierbrauer nach Amorbach. Er heiratet im gleichen Jahr Martha Hock aus der Kalt-Loch-Brauerei in Miltenberg und gründet lt. Originalurkunde vom 4. Juni 1804 die Brauerei mit Gastwirtschaft. 1836 übernimmt Georg-Josef (geb. 1808) mit seiner Ehefrau Margaretha, geb. Schüssler, aus Gottersdorf das Bierbrauen und erhält im gleichen Jahr das Bürgerrecht. Er ist sehr geschäftstüchtig, baut schon 1837 an der Kirchzeller Strasse den sogen. Burkarths-Keller, kauft viele Grundstücke in Amorbach, führt eine musterhafte Buchführung ein - alle Akten sind heute noch vorhanden - und schreibt 1867 im "Würzburger Abendblatt" einen langen Leserbrief über das Bier und beschwert sich besonders über die hohe und ungerechte Besteuerung von Malz und Bier. Der lokale Malz- und Bieraufschlag wurde in Amorbach allerdings erst am 1. Januar 1879 eingeführt. Nach ihm folgt 1870 der Sohn Moritz. Er stirbt schon 1882 und hinterlässt seine Witwe Maria mit sechs kleinen Kindern. Sie schlägt sich durch, will alles erhalten, baut am Sommerberg sogar den Hopfen für das eigene Bier selbst an, überwindet 1883 einen Bergrutsch, der die kleine Brauerei schwer in Mitleidenschaft zieht, und führt auch die Landwirtschaft weiter. Über die Erdrutschkatastrophe berichtete der "Miltenberger Anzeiger" in seiner Ausgabe vom 3. Januar 1883 u.a. wie folgt:

"Unsere Befürchtung, dass bei andauerndem Regenwetter weitere Erdrutsche am Wolkmann zu erwarten seien, hat sich leider bestätigt. Gestern Mittag löste sich nahe dem vorigen Rutsch eine große Erdmasse und verwandelte unter furchtbarem Getöse den massiven Anbau des Burkarthschen Brauhauses in einen Trümmerhaufen, während das Dach des Brauhauses selbst bedeutend beschädigt wurde."

Nach ihrem Ableben 1907 wird das Erbe aufgeteilt. Sohn Paul übernimmt die Brauerei, seine Schwestern Maria, Magdalena und Anna bringen den Gasthof zu hohem Ansehen. Im "Dreimäderlhaus" verkehren viele Gäste aus Nah und Fern, sowohl aus Amorbach und vielen kleinen Orten ringsum, als auch aus Frankfurt, Essen und Berlin. Alle werden gut und reell bedient. 1914 treffen sich alle Reservisten aus Amorbach und Umgebung zum Abschied in der "Brauerei Burkarth". Sie schreiben sich namentlich mit Abschiedsgrüßen wie "Mit Gott für König und Vaterland!" oder "Die Ehre des Vaterlandes ist zu retten!" Oder "Ich kämpfe für Vaterland und meine Familie!" in ein Album ein und trinken natürlich Freibier.

Über Produktionszahlen wird leider nichts berichtet. Man weiß lediglich, dass 1917 der Lagerkeller ein Fassungsvermögen von 224 hl und der Gärkeller eines von 120 hl hatte.

1931 erfolgte ein großer Umbau von Wirtschaft und Brauerei. 1945 kehrte der letzte Namensträger "Burkarth" vom Krieg nicht mehr zurück. Er war ebenfalls gelernter Bierbrauer. Seine Schwester Hildegard Neugebauer und ihr Mann Otto führen ab 1952 Brauerei und Gasthof weiter. Für den Gasthof folgen 1961 und 1986/87 weitere Umbaumaßnahmen, die immer wieder dem Wohl der Gäste und nicht zuletzt auch der Fremdenverkehrsstadt Amorbach zugute kommen. Die an sich gut eingerichtete Brauerei wird am 1.4.1985 aufgegeben.

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