Heylands, Aschaffenburg

1792 gibt die Heylands Brauerei offiziell als Gründungsjahr an. Tatsächlich ist sie mehr als 20 Jahre älter. Denn schon 1770 ging der Bierbrauer und Küfer Jakob Franz Löchler - aus der bekannten Brauerfamilie Lögler/Löchler stammend - seinem Handwerk nach und begann zu dieser Zeit mit dem Aufbau eines kleinen Brauereibetriebs. Dieser Jakob Franz Löchler "legalisierte" sein Unternehmen schließlich 1796, als er ein Konzessionsgesuch an den Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal richtete. Noch im gleichen Jahr, am 26. Oktober, bekam er die Braugerechtsame mit Backfeuerrecht erteilt. Im Jahre 1802 übergab er den inzwischen anerkannten und gut florierenden Betrieb seinem Sohn Christian und dessen Ehefrau, geb. Flach. Dieser Christian Löchler (1773-1845), schon seit 1797 Mitglied der Küfer- und Bierbrauerzunft, bot in seiner Wirtschaft neben dem eigenen Bier auch Rebensaft an, so z.B. Klingenberger Wein. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden modernisierte er nicht nur die väterliche Brauerei, er erwarb am Rossmarkt ein Haus von dem Direktionsrat und Kriegszahlmeister Baader, wo er ein neues Brauhaus mit kleinem Kessel errichtete. Der Brauereibetrieb befand sich noch in der Fischergasse 4. Mit dem Baaderhaus gab es anfangs "nachbarschaftliche Streitigkeiten", denn die Anlieger waren mit dem Rossmarktprojekt Löchlers nicht einverstanden. Erst im Oktober 1807 konnte er dort die Arbeit aufnehmen und ein weiteres Jahr später erhielt er dafür das Bierbrau-Feuerrecht.

Dass es zu dieser Zeit mit der Bierqualität nicht immer so weit her war, liegt auf der Hand, denn es fehlte an der entsprechenden Aufsicht. Schließlich sah sich die Obrigkeit gezwungen entsprechende Anordnungen zu erlassen. Die kurfürstliche erzkanzlerische Landesdirektion erließ darum 1804 genaue Vorschriften, an die sich zunächst aber keiner hielt. Darum wurde auch der Stadtmagistrat aktiv und drohte bei Zuwiderhandlung mit drastischen Strafen. Die Löchlers soll es auch mehrere Male getroffen haben.

In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts übergab Christian Löchler die Brauerei an seinen Schwiegersohn Friedrich Philipp Simon aus Regensburg, der 1838 als Küfer- und Bierbrauergeselle - als "Insasse" - angenommen wurde. Im gleichen Jahr erhielt er die Heiratserlaubnis mit Margaretha Löchler. Simons Gesundheitszustand gab den Ausschlag dafür, dass seine Frau die "Hausbrauerei" führen musste. Die Konzession zum "generellen Bierbrauen" erhielt er erst 1845, was dann eine Erweiterung der kleinen Räumlichkeiten am Rossmarkt erforderlich machte. Zu dieser Zeit lag er mit einer Produktion von 800 hl an vierter Stelle unter den Aschaffenburger Brauern. Nach dem Tod Simons übernahm dessen Sohn Christian den Betrieb. Trotz mütterlicher Unterstützung entwickelte sich die Brauerei zunächst offensichtlich nicht besonders gut. Bald aber sind doch wieder Um- und Ausbauten fällig gewesen. 1871 verkaufte Simon sogar Bier an die neu gegründete BABA. Ein Jahr später veräußerte er Brauerei und Wirtschaft an Wilhelm Carl Heyland aus Hungen bei Gießen, der zur selben Zeit als Küfer und Bierbrauer in den "Bayerischen Staatsverband" aufgenommen wurde. Gleichzeitig erhielt er das Bürgerrecht und die Ehebewilligung.

Heyland baute am Rossmarkt weiter aus. Er schuf eine neue Einfahrt und installierte einen neuen Lagerkeller. Seine Söhne hatten offenbar kein Interesse am Geschäft und so verkaufte er es 1890 - zwei Jahre vor seinem Tod - an den Bierbrauer Philipp Schwind. Ab da firmierte die Brauerei unter dem Namen "Heyland-Schwind". Schwind modernisierte und erweiterte den Betrieb. Innerhalb von nur fünf Jahren kamen ein Eiskeller, eine Halle, eine Kegelbahn und eine Kühlanlage dazu. Hinzu kam der Erwerb von Nachbargrundstücken, so 1909 die Geigersche Brauerei, die umgehend stillgelegt wurde.

Trotz der negativen Auswirkungen des Ersten Weltkriegs hatte man 1920 schon einen Ausstoß von 10.000 hl und braute 1923 bereits 18.000 hl. Es gab in dieser Zeit einen enormen Aufschwung, erzielt durch die Gewinnung vieler Wirtschaften und sonstiger Bierabnehmer in der näheren Umgebung. Dieser Aufschwung setzte sich auch unter den Söhnen Philipp und Adolf fort. Es musste auch weiterhin fortlaufend investiert werden.1940 erreichte man einen Ausstoß von 30.000 hl.

Im Zweiten Weltkrieg dienten die vorhandenen Keller als sicherer Zufluchtsort für die Bevölkerung während der Luftangriffe. Obwohl die Brauerei zum großen Teil zerstört war, produzierte man schon Ende des Jahres 1945 wieder, wenn auch in geringem Umfang. Aber der komplette Wiederaufbau zog sich doch bis 1957 mit der Installierung eines neuen Sudhauses hin.

Der Aufwärtstrend war weiterhin ungebrochen. 1965 produzierte man bereits 100.000 hl. In der Zwischenzeit war mit Ernst (1959) und mit Wolfgang Schwind (1965) die nächste Generation aktiv. Die Übernahme der Schlappeseppel-Brauerei 1978 bedeutete einen weiteren expansiven Schritt. In den folgenden Jahren erfolgten viele Erweiterungsinvestitionen, u.a. wurden ein neuer Gärkeller gebaut und eine leistungsfähigere Flaschenfüllanlage installiert.

Trotz der positiven Entwicklung endete 1991 die Ära Schwind. Die Brauerei wurde von der Henninger-Brauerei in Frankfurt übernommen. Zu diesem Zeitpunkt lag der Bierausstoß bei 200.000 hl. 1999 kaufte die Brauerei Eder in Großostheim die Heylands-Brauerei. Am Rossmarkt wird seit dem Jahr 2000 kein Bier mehr gebraut.

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