Bierbrauerei "Erbsenschwind", Aschaffenburg

Unser Bild zeigt die Gaststätte »Erbsenschwind« zwischen zerstörten Häusern, kurz nach dem Zweiten W
Um 1850 dürften in Aschaffenburg noch über 20 Brauereien existiert haben. 50 Jahre später waren es nur noch elf. Einer dieser alteingesessenen Betriebe war die Brauerei "Erbsenschwind", die bis nach dem Ersten Weltkrieg Bier braute.

Schon Ende das 18. Jahrhunderts bestand die Brauerei. Der erste nachweisbare Besitzer der Erbsengasse 1 war der Küfermeister Lorenz Pfeifer. 1804 baute er ein Rückgebäude, damit er eine konzessionierte Gartenwirtschaft betreiben konnte. Er war nicht nur Wirt, sondern auch Bierbrauer. 1807 konnte er durch Grundstückszukauf erweitern. Die Bierproduktion deckte zu diesem Zeitpunkt wohl nur den Eigenbedarf.

1817 kaufte ein Spross der bekannten Aschaffenburger Brauerfamilie Löchler, Peter Löchler, das Anwesen, wo er schon vorher die Brauerei betrieb. Bereits 1815 erhielt er dafür die Konzession. Etwa 1846 übernahm sein Sohn Vinzenz (1821-1885) die Brauerei, der den Bierausstoß innerhalb kurzer Zeit erheblich steigerte. Wurden 1843 nur 50 hl als Sommerbiervorrat genannt, so wurden daraus bis 1854 ca. 550 hl.

Vinzenz Löchler erhielt die Konzession 1846/47, verbunden mit der Erlaubnis zur Abgabe von warmen Speisen und Getränken an seine Schankgäste.

Er ging bald daran im rückwärtigen Hof ein neues Brauhaus zu erstellen und er erhielt auch die Erlaubnis zur Ableitung des sogenannten Feuerbaches aus der Ohmbachsgasse in sein Anwesen, da das Wasser aus seinem eigenen Brunnen "zu hart ist und für die Brauerei nachteilig".

1863 erwarb Vinzenz Löchler die Konzession "zu den drei Reichskronen", verkaufte aber noch im gleichen Jahr sein gesamtes Anwesen an den aus Speyer stammenden Bierbrauer Julius Schwesinger. Dieser verkaufte es schon nach fünf Jahren weiter. Schwesinger verzog nach Miltenberg, wo er 1880 das Bürgerrecht erhielt und es bis zum Ehrenbürger brachte.

Valentin Schwind erwarb Brauerei und Wirtschaft und ging bald daran durch verschiedene Baumaßnahmen die Kapazität zu erhöhen. So entstanden u.a. zwei Lagerhallen, ein Eiskeller, sowie neue Gär- und Lagerkeller. 1878 wurden die Wirtschaft und das Wohnhaus erweitert. Als letzte größere Maßnahme errichteten seine Söhne Philipp und August Simon ein neues Sudhaus.

Die Brauerei hatte zu diesem Zeitpunkt eine nicht unbedeutende Größe erreicht. Sie belieferte immerhin mehr als 20 Gaststätten mit ihrem Bier.Die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs waren vermutlich die Ursache, dass der Brauereibetrieb 1921 eingestellt wurde. Kunden und Vorräte wurden von der Heylands Brauerei übernommen. Die Gebäude blieben noch bis 1954 im Besitz der Familie Schwind. Aschaffenburg wurde um einen traditionsreichen Betrieb ärmer. Lediglich die Gaststätte "zum Erbsenschwind" hält noch die Erinnerung wach.

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