Bayerische Aktienbrauerei, Aschaffenburg

Über 100 Jahre hat die BABA, wie sie schon kurz nach ihrer Gründung allgemein genannt wurde, bestanden. Bereits am 18.12.1866 haben sechs Aschaffenburger Bürger den Beschluss gefaßt eine neue Brauerei auf einem Gelände an der Glattbacher Straße zu bauen. Alleine schon deshalb sollte es an dieser Stelle sein, weil hier das Wasser der Glattbach durch eine entsprechende Leitung leicht nutzbar gemacht werden konnte. Am 1. Februar 1867 wurden die Bauarbeiten vergeben und bereits im Dezember wurde die Brauerei in Betrieb genommen. Am 2. April 1868 erfolgte in Anwesenheit aller Verwaltungsratsmitglieder die erste Bierprobe. Die Gesamtkosten einschließlich Grunderwerb beliefen sich auf fast 200.000 Gulden, der Kostenvoranschlag wurde damit erheblich überschritten. Das Startkapital betrug 46.000 Gulden, wofür 26 Personen gezeichnet hatten. Der Eintrag in das Registergericht erfolgte am 18. Juli 1867.

Die Brauerei war zunächst ausgelegt auf eine Produktion von 10.000 hl, was sich bald als zu gering herausstellte. Man musste an Erweiterungsinvestitionen gehen. Innerhalb von wenigen Jahren machte man sich dank der hervorragenden Qualität des Bieres einen guten Namen. Der Großherzog von Hessen verlieh der Brauerei den Titel "Hoflieferant". Zum 25-jährigen Bestehen 1892 wurde ein Ausstoß von 34.000 hl erreicht. Die BABA war damit Aschaffenburgs größte Brauerei.

Von besonderer Bedeutung waren die Jahre 1899/1900. Innerhalb von nur 1 1/2 Jahren übernahm sie die Brauerei »Zum Hopfengarten«, »Die Gesellschaftsbrauerei«, sowie die Brauereien »Zum Wurstbendel« und »Zur Rose«, womit sie eindeutig zum Branchenführer avancierte. Der Kaufpreis für diese vier Betriebe belief sich auf zwei Mill. Mark, der durch eine Aufstockung des Aktienkapitals auf drei Mill. Mark aufgebracht wurde. Bereits 1873 war man schon einmal gezwungen dieses um eine Mill. Mark zu erhöhen. Vor der Jahrhundertwende musste erheblich in Erweiterung und Umstrukturierung investiert werden. Innerhalb von zwei Jahren wurden 1,5 Mill. Mark verbaut. Schon 1895 begann man Bier in Flaschen abzufüllen und dieses erfolgreich zu exportieren. Im Zuge der Erweiterungsinvestitionen wurden die Mälzerei und die Verwaltung in den "Hopfengarten" verlegt.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg geriet die BABA - und nicht nur diese - in eine schwere Wirtschaftskrise, verursacht durch rapid steigende Gersten- und Malzpreise, die enormen Zollerhöhungen, die lokale Biersteuererhöhung (1907), sowie die Folgen des neuen Reichsbrausteuergesetzes (1909). Die Auswirkungen der dadurch dringend notwendigen Bierpreiserhöhung möge folgende Zeitungsmeldung illustrieren: "Wie schwer die Verbraucher die Preiserhöhung von nur 1 Pfennig pro 1/2 ltr Bier verwinden konnten, zeigte sich nicht nur allenthalben an Käuferstreiks, sondern auch in der Tatsache, dass als Folge die Umsätze um mehr als 10% zurückgingen".

In der Folgezeit übernahm die BABA »Die Löwenbrauerei Goldbach« (1908) und »Die Brauerei Dörr« in Hanau (1910). Zur Konsolidierung trugen auch die Aktionäre bei, die ab 1907 auf die Dauer von acht Jahren auf eine Dividende verzichteten. Damit waren aber wohl noch nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Einer Zeitungsmeldung vom 6. Juli 1914 ist zu entnehmen: "Die schon öfter rekonstruierte Bayerische Aktienbier Brauerei, welche seit Jahren keine oder nur eine geringe Dividende abwirft, soll einer neuen Rekonstruktion unterworfen werden".

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann eine neue wirtschaftliche Krise. Besonders das lukrative Versandgeschäft kam fast völlig zum Erliegen. Die Malzbeschaffung wurde mit zunehmender Kriegsdauer immer problematischer und teurer. Während des Krieges musste die BABA zeitweise vom Aufsichtsrat geführt werden. 1918 war der Bierabsatz mit 55.000 hl fast auf die Hälfte der Vorkriegszeit geschrumpft. 1900 hatte er noch ca. 100.000 hl betragen. Erst 1928/29 erreichte man wieder diese Marke. Leider war die Sanierungsphase nur von kurzer Dauer, denn die Weltwirtschaftskrise machte auch vor der BABA nicht halt. Der Absatz verminderte sich auf ein Viertel. Ab 1933 ging es wieder aufwärts. Zu Kriegsbeginn 1939 war man wieder bei 100.000 hl angelangt. In der Zwischenzeit hatte die Bank für Brauindustrie die Aktienmajorität erworben. Somit endete die Verantwortlichkeit Aschaffenburger Bürger als Aktionäre. Nach dem Krieg, der auch schwere Gebäudeschäden brachte, musste man, wie so viele Betriebe, praktisch von vorne anfangen. Erst 1962 wurde der Vorkriegsausstoß wieder erreicht. Eine gewisse Expansion bedeutete 1963 der Erwerb der "Wiesbadener Felsenkeller-Brauerei". 1970 brachte dann einen gravierenden Einschnitt mit der Verschmelzung der größten Aschaffenburger Brauerei mit der "Brauerei Binding" in Frankfurt. BABA gewann damit zwar vorübergehend an Umsatz - 200.000 hl wurden angepeilt, jedoch nicht erreicht, - verlor aber vollends ihre Selbstständigkeit, was sich auch im Namen ausdrückte. Ab jetzt hieß sie "Binding-Brauerei AG, Zweigniederlassung Aschaffenburg". 1974 wurde mit 170.000 hl der höchste Jahresumsatz erzielt, ein Jahr später die Brauerei dann endgültig stillgelegt. Erst wenige Jahre zuvor hatte man ein neues Sudhaus errichtet. Als Grund für die Stillegung hieß es: Zwang zu Konzentration und Rationalisierung im gesamten deutschen Braugewerbe.


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