Bavaria-Brauerei, Aschaffenburg

Gründer der Brauerei war der Bierbrauer Georg Adam Ebert aus Obersteinbach bei Eltmann. Er kaufte die ehemalige "Reitzsche Brauerei" in der Sandgasse. Nach mehreren Anläufen erhielt er 1849 endlich das Bürgerrecht in Aschaffenburg, nachdem er bereits 1848 die Braukonzession verliehen bekommen hatte.

Durch den geschäftlichen Aufschwung wurde ihm das Grundstück bald zu eng. Das Anwesen wurde verkauft. Um 1852 erwarb Ebert die Brauerei "Zum Alten Hopfengarten" in der Strickergasse, die der Sohn 1872 übernahm. Auch er vergrößerte durch Zukäufe das Gelände. So erwarb man 1888 u.a. das Areal der ehemaligen Tabakwarenmanufaktur und 1893 Grundstücksteile des früheren Bezirksamtes. Nun konnte man den neuen "Hopfengarten" errichten. Wilhelm Ebert besaß außerdem das Anwesen Herstallstraße 3, besser bekannt unter dem Namen "Zum Wurstbendel", das er aber bereits 1895 an die Aktienbierbrauerei verkaufte. Im gleichen Jahr veräußerte er dann auch das gesamte Brauereigelände sowie einen Bauplatz an der Luitpoldstraße an die "Aktienbrauerei Hopfengarten" für 670.000 Mark.

Kurze Zeit später erwarb Wilhelm Ebert das ehemalige Kasernengelände zwischen der Weißenburger- und der Heinsestraße, um dort eine moderne Brauerei zu errichten. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits die Söhne Georg und Karl im Geschäft tätig. In den folgenden Jahren wurde eine vollkommen neue Braustätte gebaut, und als Wilhelm Ebert den Betrieb seinen beiden Söhnen übergab, war das Haus wohlbestellt. Die Brauerei war ausgelegt auf eine Produktion von 60.000 hl pro Jahr. Natürlich konnte diese Menge nicht ohne zusätzliche Investitionen erreicht werden, aber es waren keine wesentlichen baulichen Erweiterungen mehr nötig.

Die Eberts erließen 1903 eine Arbeitsordnung, die rechtsverbindlich für Arbeitnehmer und Arbeitgeber als Arbeitsvertrag galt. Die wichtigsten Bestimmungen daraus sind es wert hier festgehalten zu werden. In § 2 heißt es, dass beide Seiten eine vierzehntägige Kündigungsfrist haben. § 3 beinhaltet die Arbeitszeit. Sie begann um 6 Uhr morgens und endete um 6 Uhr abends bei drei Pausen von zusammen zweieinhalb Stunden. § 6 legt fest, dass jeder Arbeiter vier Liter Freibier pro Tag erhält. Nach § 10 ist jeder Arbeiter verpflichtet an Sonn- und Festtagen abwechselnd die Jour (Bereitschaftsdienst) zu halten und evtl. Bier zu den Kunden zu bringen. Dafür bekommt er eine Vergütung von zwei Mark. Im letzten § 12 heißt es wörtlich: "Arbeiter, die im Geschäft in betrunkenem Zustande angetroffen werden, müssen auf Grund des Unfallversicherungsgesetzes von der Arbeit entfernt werden".

1908/09 waren etwa 30 Personen beschäftigt. Der Fuhrpark umfasste damals 14 Pferde und 15 Fahrzeuge unterschiedlichster Art wie Bier-, Eis- und Rollwagen. Die Bierproduktion umfasste damals schon helle Biere Pilsner Brauart, dunkle Biere und, je nach Jahreszeit, Bock- und Märzenbier.

Die technische Einrichtung wurde von den Brüdern Ebert stets auf hohem Stand gehalten. Das war mit ausschlaggebend dafür, dass die Bavaria-Brauerei bis nach dem Ersten Weltkrieg an zweiter Stelle der Aschaffenburger Brauereien stand. Sie produzierte damals etwa 20.000 hl Bier. Die verheerenden Auswirkungen des Krieges und der Inflation blieben nicht aus. Der Bierausstoß sank 1923/24 auf ca. 5.000 hl. Nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise erholte er sich wieder auf 22.000 hl.

Der Zweite Weltkrieg brachte nicht nur erhebliche Absatzverluste, sondern fügte dem Betrieb auch schwere Bombenschäden zu, die man aber nach 1945 mit großer Energie wieder beseitigte. Das einsetzende Wirtschaftswunder kurbelte auch den Absatz wieder an. Waren es 1948 nur noch 4.500 hl Ausstoß, so stieg die Produktion bis 1968 auf 28.000 hl.

In der Zwischenzeit übernahmen Georg Ebert und sein Schwager Dr. Wilhelm Franz Matt die Verantwortung für das Geschäft. 1981 gab es einen einschneidenden Gesellschafterwechsel, Georg Ebert schied aus und Oskar Eder von der Brauerei Eder in Großostheim wurde Mitinhaber der Bavaria-Brauerei. Walter Matt, Sohn von Dr. Wilhelm Franz Matt, blieb zwar kaufmännischer Leiter, aber das Ende war vorprogrammiert. Dringend notwendige Investitionen wurden nicht mehr vorgenommen, die Produktion wurde im November 1981 eingestellt. Die etwa 20 Beschäftigten übernahm Eder.

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