Carl Maultzsch, Frammersbach

Die beiden Pfarrer Frank aus Wiesen und Kaufholz aus Bieber gründeten am 2. Februar 1886 in Frammersbach eine Aktiengesellschaft zum Betrieb einer Brauerei. Sie wurde "Spessarter Bierhalle" genannt. In einem Zeitungsartikel heißt es dazu:

"Der Zweck dieses Unternehmens ist, für die Spessartbewohner, welche fast ausschließlich teures, importiertes und dabei oft noch gepanschtes Bier trinken, durch einen für diesen Zweck in München ausgebildeten Brauer ein reines und billiges Bier zu liefern und auf diesem Weg der auch im Spessart sich immer mehr verbreitenden Schnapspest praktisch entgegen zu arbeiten. Die Kaufsumme von 22.000 Mark soll durch Ausgabe von Aktien zu je 200 Mark aufgebracht werden".

In dem Artikel wird noch die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass sich zur Förderung dieses gemeinnützigen Zweckes rasch recht viele Aktienabnehmer finden, damit noch in diesem Nachwinter ein ordentlicher Vorrat an Lagerbier gebraut werden kann. Als Braumeister wurde ein Franziskaner aus München, H. Fr. Benedikt, gewonnen. Bereits am 20.4.1886 waren lt. Pressenotiz über 100 hl Bier eingesotten und abgelagert. Am 3. Mai war feierliche Eröffnung, wozu die Bevölkerung herzlich eingeladen war. Bei herrlichem Frühlingswetter wurden ca. 10 hl getrunken, der Liter kostete 24 Pfennige.

Am 11. September 1886 wurde die Karlsmühle erworben, das ist der heutige Standort der Brauerei. Aus dieser Zeit ist noch ein Antrag des Dr. Frank bemerkenswert, dem auch stattgegeben wurde. Er ging dahin, dass armen Spessartbewohnern in Krankheitsfällen, wenn ihnen vom Arzt ein reines, gesundes Bier verordnet wurde, auf das Zeugnis des Arztes Bier aus der Spessarter Bierhalle unentgeltlich verabreicht werden soll.

Scheinbar florierte die Spessarter Bierhalle nicht so, wie man es erwartet hatte. Jedenfalls entwickelte sich der Bierabsatz nicht besonders positiv. So wurde 1894 die Brauerei für 240.000 Mark an einen Herrn Trostner verkauft. Ein Jahr später kam es zur Versteigerung, bei der Brauereibesitzer Aichbichler, ein Gläubiger der AG, ein Gebot von 50.000 Mark abgab und den Zuschlag erhielt. Im Oktober 1895 pachtete Carl Maultzsch, ein ehemaliger Ulanenrittmeister, die Brauerei, um sie drei Jahre später zu kaufen. Von da an ging es bergauf, wie an den folgenden Bierausstoßzahlen zu erkennen ist:

1898: 1.680 hl

1914: 10.486 hl.

Den jetzigen Standort nutzte man auch, um den vorbeifließenden Lohrbach als Energielieferanten für den Brauereibetrieb zu verwenden. Früher wurde mit der Wasserkraft auch die Eismaschine angetrieben.

Carl Maultzsch verstarb schon 1907. Seine Witwe Luise führte für ihre kleinen Kinder die Brauerei weiter. Sie wurde dabei teilweise von ihrem Schwager, dem Ingenieur Max Maultzsch, unterstützt, der aber auch bereits 1914 starb.

1923 trat der Sohn Max als 23-Jähriger die Nachfolge an. Er führte die Brauerei bis zu seinem Ableben 1973. Seine Witwe Dorothea und deren Tochter Sylvia Reinhart leiteten seitdem den Betrieb. In der Zwischenzeit ist auch der Sohn Jens Reinhart in die Betriebsleitung eingetreten, wo er als Braumeister tätig ist.

In den letzten Jahren sind umfangreiche Investitionen vorgenommen worden, so u.a. neue Gär- und Lagerkeller, vollautomatische Faß- und Flaschenreinigungs- und Abfüllanlagen.

Das Unternehmen ist wirtschaftlich gesund und hat keine Nachfolgeprobleme.

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