Umstädter Brauhaus, Groß-Umstadt

Anno 1754 betrieb der Bierbrauer und Küfer Johann Adam Dintelmann aus Semd in der kurpfälzischen Schlossgasse in Groß-Umstadt ein Wirtshaus, in welchem er seinen Gästen hausgebrautes Bier ausschänkte: Handwerkliches Geschick und große Beliebtheit bei den einheimischen Bürgern verhalfen seinem Betrieb zu einem raschen Aufschwung. Schließlich wird Dintelmann in den Rat der Stadt gewählt und er wird kurze Zeit später sogar Bürgermeister. Sein Siegel, das heute noch als Firmenzeichen dient, zeigt seine Initialen und das Handwerkszeug der Küferzunft.

Schon vor 1883 gelangte die Brauerei in den Besitz von Peter Brenner. Wann das genau war, wissen wir bis heute leider nicht. Jedenfalls hatte Peter Brenner 1883 einen Plan eingereicht zum Bau eines Bierkellers in der Kühhole zu Groß-Umstadt. 1903 wurde dann von ihm, seinem Sohn Karl und Schwiegersohn Heinrich Eidmann ein völliger Brauereineubau an derselben Stelle errichtet. Ein bemerkenswertes Modell der Brauerei Brenner ist im Heimatmuseum Gruberhof in Groß-Umstadt zu sehen.

Nach dem Tod von Peter Brenner führten Karl Brenner und Heinrich Eidmann die Brauerei weiter. Im Ersten Weltkrieg wurde Karl Brenner schwer verwundet und Heinrich Eidmann starb 1915. Die wirtschaftliche Not zwang nach dem Krieg die Familie zur Stilllegung der Brauerei. Man hielt sich über Wasser mit einem Sägewerk an der Habitzheimer Straße. Doch schon 1925 wurde der Brauereibetrieb wieder aufgenommen. Durch Losentscheid erhielt der Kaufmann Heinrich Karl Eidmann die Brauerei und der Bierbrauer Karl Brenner führte von nun an das Sägewerk.

Während des Zweiten Weltkriegs und der schrecklichen Dünnbierzeit behalf man sich mit der Herstellung von Apfelwein und dem Handel mit getrocknetem Apfeltrester, der zu Apfelschalentee weiterverarbeitet wurde.

Im Zuge des darauf folgenden Wirtschaftswunders expandierten alle Brauereien landauf, landab. Die Produktion stieg und stieg, bis Anfang der siebziger Jahre eine Marktsättigung eintrat. 1968 erzielte die Brenner Brauerei einen Absatz von 30.000 hl Bier, außerdem wurden 4.500 dz Braugerste verarbeitet.

Jetzt begann der Überlebenskampf, von dem die kleinen Brauereien am meisten betroffen waren. Noch rechtzeitig gelang es Wilhelm, dem Sohn Karl Heinrich Eidmanns, sich von dem immer härter werdenden Markt zurückzuziehen, aber nicht dadurch, dass er die Brauerei an einen größeren Betrieb verkaufte, wie es so viele taten. Er legte vielmehr den Brauereibetrieb still und startete 1984 neu mit der Hausbrauerei "Umstädter Brauhaus".

Dieses neue Konzept kam bei den Bierfreunden gut an und der Zuspruch wurde immer größer: gutes Bier des Umstädter Brauhauses für die eigene Gaststätte, das man an sommerlichen Tagen auch auf der Terrasse trinken kann und dabei einen herrlichen Blick auf das Odenwaldstädtchen genießt. Jährlich werden etwa 800 hl davon gebraut. So setzt das Umstädter Brauhaus die über 300-jährige Tradition Groß-Umstädter Braukunst als einzige Brauerei fort. Hoffentlich tut sie es noch recht lange.

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