Spessart-Brauerei, Kreuzwertheim

Im Jahre 1809 erhielt der Bierbrauer Karl Michael Junker das Braurecht auf sein Anwesen in der heute noch so genannten Junkergasse den "Goldenen Löwen", der erstmals 1741 erwähnt wurde. Aus welchen Gründen auch immer wurde der Braubetrieb 1830 wieder eingestellt.

1884 ging dann das damalige Gasthaus "Zum Löwen" für 9.000 Mark in den Besitz von Leonhard Lutz über. Das Bier wurde aber nicht gleich selbst gebraut, sondern zunächst von einer Aschaffenburger Brauerei bezogen. Aus der ehemaligen Junkerschen Brauerei waren als einzige Überreste nur noch ein hölzernes Kühlschiff und der Keller am Hohlweg übrig geblieben. Sie erinnerten daran, dass hier einmal, wenn auch im bescheidenen Umfang, Bier gebraut wurde. Vielleicht hat gerade diese Tatsache bei dem sehr rührigen Leonhard Lutz die Idee reifen lassen den Braubetrieb wieder aufzunehmen. Mit Hilfe von guten Freunden, die als Küfer und Maurer alles Fachleute waren, wurde der Entschluss gefasst die Brauerei wieder zu eröffnen. Aber man war vorsichtig und machte es abhängig vom Erfolg eines Probesudes. Dieser wurde bewerkstelligt mit Hilfe eines Waschkessels, als Kühlschiff diente eine Kelter. Trotz dieser primitiven Hilfsmittel gelang der Probesud recht gut. So stand der Wiederaufnahme des Braubetriebs nichts mehr im Wege. 1887 begann man mit dem Bierbrauen, es ist also das Gründungsjahr der heutigen Brauerei.

Die erste bescheidene Einrichtung war ein Sudwerk von 10 hl Ausschlagmenge mit einer kupfernen Pfanne und einem hölzernen Maisch- und Läuterbottich. Es wurde noch mit einem hölzernen Maischscheit gearbeitet und die Maische mit einem Schöpffass vom Maischbottich zum Sudkessel und umgekehrt transportiert. Zum ersten Inventar gehörten auch einige Lager- und Transportfässer aus Holz. Bier wurde zunächst nur für die eigene Wirtschaft gebraut.

1889 wurden dann schon der hölzerne Maischbottich und das hölzerne Kühlschiff durch eiserne ersetzt und eine Maischepumpe angeschafft - natürlich noch für Handbetrieb.

1893 belieferte man schon einige Abnehmer und es ging langsam aber stetig bergauf. Bald wurde der Handbetrieb durch einen Göpel ersetzt, der Keller am Hohlweg ausgebaut und zusätzlich ein Eiskeller geschaffen, darüber ein Bierausschank installiert, der sich sehr gut bewährt hat.

Mit ihrem Lagerbier war die Brauerei schon 1903 bei der Ausstellung für Volkswohl in Berlin und Wien vertreten, wo sie mit Goldmedaillen und Ehrendiplomen ausgezeichnet wurde.

Der Ausstoß entwickelte sich sehr günstig, so dass man bereits 1899 nicht mehr mit dem Göpel auskam und stattdessen einen drei PS-Benzinmotor anschaffte. Philipp Lutz trat 1900 an die Stelle seines Vaters Leonhard, der bereits ein Jahr später verstarb. Unter seiner Regie hielt die fortwährende Aufwärtsentwicklung an. Bald erreichte man einen Jahresausstoß von 3.000 hl. Zu dem Drei PS-Motor gesellte sich einer von sechs PS. Gär- , Lager- und Eiskeller wurden gebaut, das Sudwerk wurde um das Doppelte vergrößert und 1910 nochmals auf 45 hl erweitert. Mit der ständigen Modernisierung des Betriebs verlief parallel die Erweiterung des Absatzgebietes. Von 1906 bis 1912 verdoppelte sich der Bierausstoß und bei Kriegsausbruch 1914 lag er sogar bei 10.000 hl. 1913 hat man erstmals Strom an die Gemeinde Kreuzwertheim abgegeben. Die ausschließliche Versorgung der Kreuzwertheimer durch die Brauerei Lutz endete erst 1972 mit dem Verkauf der Stromerzeugungsanlage an das Überlandwerk Unterfranken.

Die Kriegsjahre brachten natürlich entsprechende Rückschläge. Der Ausstoß ging auf 2.000 hl zurück. Philipp Lutz musste 1914 einrücken. Die ganze Last der Betriebsführung lag auf den Schultern seiner Frau. Auch die ersten Nachkriegsjahre brachten noch keine wesentliche Besserung, obwohl Lutz die Kundschaft von drei stillgelegten Brauereien in Eichel, Wertheim und Stadtprozelten , sowie zur Hälfte die in Lengfurt übernommen hatte. Erst nach der Inflation ging es langsam wieder aufwärts. Dieser Trend beschleunigte sich bis 1929 , wo man einen Bierabsatz von 18.000 hl erreichte. Durch die Weltwirtschaftskrise sank der Ausstoß wieder auf 7.000 hl. Danach stieg er bis 1939 wieder auf den Stand von 1929. Die wirtschaftliche Blüte hielt natürlich im Zweiten Weltkrieg nicht an. Es waren wieder horrende Umsatzrückgänge zu verkraften, die erst nach der Währungsreform aufgeholt werden konnten. Große Investitionen waren ab 1949 in allen Abteilungen nötig, um den nun stark steigenden Bedarf befriedigen zu können. 1956 verzeichnete man einen Ausstoß von 22.500 hl.

Im Alter von nur 42 Jahren verstarb 1949 der Schwiegersohn von Philipp Lutz, Dr. Adolf Müller. Mit viel Geschick leitete seine Witwe den Betrieb, bis ihr Sohn, Dr. Horst Müller, der in Weihenstephan promovierte, 1962 in das Geschäft eintrat und die Leitung übernahm. Auch weiterhin wurde viel investiert und modernisiert. Als zweites Standbein erwarb man eine Beteiligung am Fontanis - Mineralbrunnen. 1975 wurde die Brauerei Lutz in "Spessart-Brauerei" umbenannt. Das Firmenzeichen war nunmehr der Specht.

In den 90er Jahren erreichte man einen Getränkeausstoß von 70.000 hl, davon 40.000 hl alkoholfreie Getränke. Die Biere sind seit langem DLG-prämiert und werden seit 1997 mit dem "Preis der Besten" ausgezeichnet. Mit Harald Karafa, der 1996 in die Geschäftsleitung eintrat, ist bereits die fünfte Familiengeneration in der Brauerei tätig.

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