Schwind-Bräu, Aschaffenburg

Ursprünglich hieß sie "Rosenbrauerei". Diesen schönen Namen verdankte sie ihrer damaligen geografischen Lage zwischen ausgedehnten Rosenkulturen, welche die Schweinheimer Amtsvögte angelegt hatten. Der erste Nachweis der "Rosenbrauerei" stammt von 1761. Der erste erwähnte Bierbrauer und Rosenwirt ist der 1739 geborene Nikasius Staudt. Dieser hat 1769 einen Antrag auf Erteilung einer Heckenwirtschaftskonzession gestellt. Aus der Begründung ist zu schließen, dass er zu dieser Zeit noch keine regelrechte Wirtschaft führte und bestenfalls für seine Familie und einige befreundete Nachbarn Bier gebraut haben dürfte, zumal die Bierherstellung noch im Schatten des Weinanbaus stand. Die Wirtschaft dürfte aber damit angefangen haben und Nikasius Staudt verkaufte hier auch sein selbst gebrautes Bier. Schon sein Vater soll Bierbrauer gewesen sein. Der Sohn von Nikasius, Nikolaus, erhielt 1806 die Konzession für die Wirtschaft, die offiziell den Namen "ad rosam auream" führte und übersetzt "Zur Goldenen Rose" hieß. Nikolaus erweiterte das Anwesen, u.a. mit der Begründung, dass er gleichzeitig "Freunde mit Chaise und Pferden bewirtschaften kann". Ab 1828 war der Enkel des Gründers gleichen Vornamens Eigentümer und Rosenwirt. Der gelernte Bierbrauer scheint mit seinem Bier wenig Glück gehabt zu haben, denn 1854/55 verbrauchte er lediglich 10 Schäffel Malz, was einer Biermenge von etwa 40 hl entsprach. Daraus lässt sich folgern, dass der Bierkonsum in Schweinheim zu dieser Zeit dem Weinverbrauch hinterher hinkte. Das sollte sich aber bald ändern.

1857 kaufte der Besitzer der Schweinheimer Eckertsmühle das Anwesen. Seine Witwe veräußerte es schon nach einigen Jahren an den Ziegeleibesitzer Konrad Schwind (1820-1908). Dessen Sohn August sorgte als gelernter Brauer für den Aufschwung des Unternehmens. Er heiratete die Tochter des Vorbesitzers Eckert, Christine. Die Söhne aus dieser Ehe, Konrad und Valentin, sorgten für eine weitere gute Entwicklung der Brauerei. Es wurden Erweiterungsinvestitionen und Modernisierungen vorgenommen. Bald reichte der Platz nicht mehr aus, und so kam es in den Jahren 1906 bis 1912 zu einem Ortswechsel in die Aschaffenburger Straße. Zwischen den beiden Weltkriegen war die Brauerei das bedeutendste Schweinheimer Unternehmen. Unter den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs hatte die Schwindbräu auch erheblich zu leiden. Durch Artilleriebeschuss wurden große Schäden angerichtet. Nach dem Ableben von Valentin (1941) und Konrad (1946) traten Edi und Konrad jr. In die Firma ein und machten sich sofort daran die zerstörten Anlagen wieder aufzubauen. Auch der ursprüngliche Kundenstamm musste wieder gewonnen werden. In rascher Folge wurde investiert und ein Höhepunkt war zweifellos die 1966 erfolgte Inbetriebname des neuen Sudhauses. Weiter folgte die Installation einer kompletten neuen Flaschenfüllanlage. 1978 kam eine Datenverarbeitungsanlage hinzu.

Im Jahre 1987 kaufte der Bauunternehmer Alfred Kunkel die Brauerei. Er modernisierte das Unternehmen nach dem neuesten Stand der Brautechnik mit großem finanziellem Aufwand, um den allgemein gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Heute wird der Betrieb von seinem Sohn Werner Kunkel geführt.

Die Schwindbräu ist nun die einzig verbliebene gewerbliche Brauerei in Aschaffenburg. 1900 waren es noch elf.

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