Michelsbräu, Babenhausen

Der junge Philipp Jakob Michel gründete 1815 die Michelsbräu. Er war gelernter Bierbrauer, Branntweinbrenner und Gastwirt. Begonnen hat er das Bierbrauen in der Mühlgasse 31, also nicht auf dem heutigen Betriebsgelände. Bald schon jedoch erwarb er aus einem Konkurs das jetzige Areal. Erleichtert wurde ihm der Kauf, weil er eine Frau heiratete, die aus vermögendem und sehr angesehenem Hause stammte.

Sein Sohn Johann Heinrich, der ebenfalls Brauer und Gastwirt war, übernahm in den 40er Jahren die Brauerei, die sich schon zu dieser Zeit eines guten Rufs erfreute. 1870 erbaute er Gasthaus und Hotel "Deutscher Hof", welches noch heute von der Michelsbräu beliefert wird. Mit der dritten Generation stellte sich erneut ein Aufschwung ein. Wilhelm Michel starb 1892, nur 42-jährig, aber in seiner relativ kurzen Wirkungszeit tat sich allerhand.Er modernisierte die Brauerei gründlich. Bereits 1883 wurde die erste Maschine aufgestellt.

Nach seinem Tod übernahm am 1. Januar 1893 der Bruder Ludwig Friedrich Michel - kurz Luis genannt - den Brauereibetrieb. Er war Kaufmann, was ihm geschäftlich sehr zugute kam. Er war ein weitblickender Mann. Dies wirkte sich auch positiv in der Gemeindepolitik aus, in welcher er ebenfalls aktiv war. Luis Michel errichtete bald eine Flaschenfüllanlage und nahm zahlreiche Um- und Ausbauten vor. Höhepunkt war sicherlich der Bau eines neuen Sudhauses, welches im November 1899 offiziell in Betrieb genommen wurde. Er legte auch großen Wert auf die Qualitätssteigerung der Biere. Das schlug sich nieder in zahlreichen Diplomen und Medaillen, mit denen seine Biere ausgezeichnet wurden. Am 14. März 1901 erfolgte die Umwandlung des Familienunternehmens in eine AG, deren Leitung Luis Michel bis zu seinem Tode 1908 inne hatte. In dieser Zeit erreichte die Brauerei einen Bierumsatz von 21.000 hl.

Nachfolger von ihm wurde Direktor R. Bauer, der sich ebenfalls sehr für das Wohl des Unternehmens einsetzte. Unter seiner Regie wurde 1921 das Kontingent und die Kundschaft der Brauerei Peter Brenner in Groß-Umstadt erworben, was allerdings nach einigen Jahren wegen gravierender Unstimmigkeiten der Partner wieder aufgehoben wurde. 1926 suchte man nach einem kapitalkräftigen Partner und fand ihn in dem damaligen Generaldirektor Schubert der Frankfurter Henninger Bräu AG. Dieser veräußerte die Hälfte der Anteile der Michelsbräu einem Gentleman Agreement entsprechend an die Schöfferhof-Binding AG in Frankfurt, was sich für die Michelsbräu als nachteilig herausstellen sollte. Das Agreement beinhaltete, dass Brauereien, die im näheren Umkreis zum Kauf angeboten werden, von beiden Brauereien jeweils hälftig erworben werden sollen. So veräußerte Schubert die Hälfte der Aktien der Michelsbräu an Binding. Nachdem sich im nachfolgenden Fall der Übernahme einer Brauerei in Friedberg Binding nicht an das Gentleman Agreement gehalten hatte, kam es zu einer schwer wiegenden Vertrauenskrise, die sich auch ungünstig auf die Entwicklung der Michelsbräu auswirkte. Es wurde von beiden Seiten in Babenhausen nichts mehr investiert, es bestand kein Interesse mehr an diesem Standort. So verfiel die Substanz hinsichtlich Anlagen und Kundschaft. Daher wurde 1954 beschlossen die Brauerei zu liquidieren und den Kundenstamm aufzuteilen. Hiervon erfuhr Günther Schubert noch rechtzeitig, um dies zu verhindern. Er beschloss die Brauerei zu erhalten und sie fortzuführen. Dazu gehörte viel Enthusiasmus und Engagement. Das damalige Aufsichtsratmitglied der Michelsbräu, Konrad Binding, hatte größte Bedenken gegen dieses Vorhaben und glaubte nicht, dass die Brauerei noch zu retten sei. Doch Günther Schubert gelang es in relativ kurzer Zeit sie aus der Talsohle zu führen. Zunächst wurden Maßnahmen getroffen , um die Bierqualität zu verbessern, und vor allem auch die Kontakte zu den Kunden gepflegt, um wieder Vertrauen zu schaffen. Die Brauerei wuchs und gedieh. 1956 erwarb Günther Schubert die Brauerei Hoffarth in Brensbach. Es ging ständig bergauf. Im technischen Bereich, im Fuhrpark und in der Kundschaft wurde kräftig investiert. 1978 trat Frau Dr. Susan Schubert, die Tochter von Günther, in die Geschäftsführung ein. Bis 1982 bestand die 50-prozentige Beteiligung der Binding Brauerei. Dass diese aber trotzdem kaum Einfluss auf die Entwicklung und Geschäftsführung der Michelsbräu hatte, ärgerte sie schon. Man glaubte den Kundenkreis mit in die Binding-Brauerei einbeziehen zu können. Selbst mit einer gerichtlichen Auseinandersetzung gelang dies nicht. Schließlich veräußerte Binding ihre Beteiligung und diese gelangte im Rahmen der Umwandlung der Aktiengesellschaft in eine GmbH in den Besitz der Familie Schubert. Damit ist seit dem 25. August 1982 die Michelsbräu in ihrem alleinigen Eigentum und es ist anzunehmen, dass es noch lange so bleiben wird. 2009 tritt mit Tochter Catherine von Schoen die nächste Generation der Familie in die Verantwortung.

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